Geschichte

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Wie können geringqualifizierte Jugendliche besser in den Arbeitsmarkt integriert werden? Mit dieser Frage des Bayerischen Kultusministeriums fing 2007 alles an.

Die Unternehmensberatung The Boston Consulting Group und die Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG, die sich aus einem früheren Projekt kannten, schlossen sich zusammen. Sie wollten herausfinden, warum es trotz zahlreicher Unterstützungsmaßnahmen im Übergangssystem nur wenigen benachteiligten Jugendlichen gelingt, im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Für beide Projektpartner war klar, dass sie nicht nur an einem weiteren runden Tisch über unternehmerische Verantwortung diskutieren, sondern wirklich etwas bewegen wollten.

Geschichte der Initiative

Die Konzeptphase

Mit ihren jeweiligen Kompetenzen aus der Strategieberatung bzw. dem gemeinnützigen Sektor und einem „Blick von außen“ gingen die Initiatoren das Problem Jugendarbeitslosigkeit an. Ein Problem, das nur im gemeinsamen gesellschaftlichen Engagement gelöst werden kann. Basierend auf zahlreichen nationalen und internationalen Benchmarks, Gesprächen mit Experten aus Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, Interviews mit Berufsschullehrern, Unternehmensvertretern, Ehrenamtsorganisationen und vor allem den betroffenen Jugendlichen selbst entwickelte das Team das JOBLINGE-Konzept. Das angestrebte Ziel war von vorneherein ein messbarer und nachhaltiger Ansatz, der die größtmögliche Wirkung erreicht – für die Teilnehmer, aber auch für die Unternehmen und alle weiteren beteiligten Partner und Unterstützer. Zudem sollte der Ansatz skalierbar sein und sich auf alle Städte und Regionen übertragen lassen, in denen Interesse und Bedarf besteht.

Die Pilotphase

Im April 2008 eröffnete als erster Standort die gAG Zwiesel im Bayerischen Wald (später gAG Bayerwald in Deggendorf). Die Pilotierung des JOBLINGE-Konzepts erfolgte in Zwiesel, da die Initiatoren bereits bei der Sanierung der Glasmanufaktur eng mit der lokalen Arbeitsagentur zusammengearbeitet hatte, die in Zwiesel genau zu dieser Zeit das Ziel "null Prozent Jugendarbeitslosigkeit" setzte. Dank des starken Partnernetzwerks seitens Politik, engagierten Mentoren und Unternehmen, die trotz Finanzkrise die Initiative unterstützten und Chancen für die Jugendlichen schafften, konnten die ersten „Joblinge“ aufgenommen und erfolgreich vermittelt werden.

Bundesweiter Rollout und Wachstum

Um die Wirksamkeit des Konzepts nach der ländlichen Region auch in der Stadt zu testen, startete im April 2009 als zweiter Pilotstandort die gAG München. Nachdem der Ansatz auch hier Erfolg und viele Unterstützer fand, bereiteten die Initiatoren – das Konzept angepasst und spezifiziert um die Erfahrungen aus der Praxis – den bundesweiten Ausbau vor. 2011 folgte der Sprung nach Berlin, damals wie heute „Hauptstadt der Jugendarbeitslosigkeit“. Nach der gAG Berlin eröffneten die gAG FrankfurtRheinMain (2011), die gAG Rheinland und gAG Leipzig (beide 2012), die gAG Ruhr (2013) sowie die gAG Region Stuttgart und gAG Hanse (beide 2014).
Um die vorhandenen Netzwerke bestmöglich im Sinne der Jugendlichen zu nutzen, erfolgt der weitere Aufbau inzwischen verstärkt über das Modell der Filialisierung: die Gründung neuer Standorte ausgehend von bestehenden gAGs. Mit dem Wachstum entwickelte sich auch die Organisationsstruktur weiter:

Nach der erfolgreichen Pilotierung und der gemeinsamen Fertigstellung des JOBLINGE-Konzepthandbuchs zog sich die Kuenheim Stiftung planmäßig und ihrer Satzung folgend aus der operativen Arbeit zurück, die Boston Consulting Group übernahm die Umsetzung und Steuerung der Initiative. Ulrike Garanin, die als BCG-Principal seit der ersten Idee 2007 das Konzept mitentwickelte und das Projektteam leitete, wurde Vorstand der 2012 gegründeten JOBLINGE-Dachorganisation. Zudem ist seit 2013 Kadim Tas operativer Vorstand der Dachorganisation. In der gemeinsamen Überzeugung, dass sowohl soziales Denken als auch unternehmerisches Handeln wichtig sind, um nachhaltig soziale Wirkung zu erzielen, steuern sie die Initiative und treiben die Weiterentwicklung von Programm und Organisation voran. Zur Förderung der Nachhaltigkeit der Initiative rief die Boston Consulting Group bereits 2011 die JOBLINGE-Stiftung ins Leben.

Ein besonderer Dank gilt den Partnern der Joblinge gAG Bayerwald. Im September 2013 stellte der Pilotstandort seine operative Arbeit ein. Die Region spürt den demografischen Wandel: Lokale Betriebe ringen um Nachwuchs, während die Zahl junger Menschen stetig abnimmt. Kindergärten und Schulen werden geschlossen und auch um das JOBLINGE-Programm umzusetzen, war die Teilnehmerzahl schließlich zu gering. JOBLINGE dankt allen Unterstützern der ersten Stunde, die mit ihrer Offenheit und Innovationsfreude für 137 junge Menschen langfristige Perspektiven ermöglicht haben.

Reformimpulse und Übertragbarkeit

JOBLINGE ist von einem Start up zu einem mittelständischen Unternehmen mit mehr als 90 Mitarbeitern geworden. Ein Fokus liegt daher auf der nachhaltigen Organisationsentwicklung und Professionalisierung von Tools und Strukturen – um die Qualität des Programms für die Jugendlichen und alle Beteiligten nicht nur zu halten, sondern stetig zu verbessern.
Gleichzeitig möchte die Initiative mit ihrer Erfahrung Reformen anstoßen und über JOBLINGE hinaus wirken. Wenn es JOBLINGE gelingt, eine vermeintlich nicht vermittelbare Zielgruppe nachhaltig in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, dann macht das Mut, dass sich die Erfolgsfaktoren des Programms auch auf andere Zielgruppen, Länder (etwa Südeuropa) und Systeme übertragen lassen. Mit dem neuen Programm JOBLINGE Kompass für junge Geflüchtete ist dies nun seit 2016 möglich.

Erfahren Sie unter Wachstum und Innovation mehr über die strategischen Projekte der Initiative: von JOBLINGE Kompass über die JOBLINGE-Akademie bis hin zu alternativen Fördermodellen des Übergangssystems (Social Impact Bonds).

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Auf einen Blick: Daten und Fakten zur Initiative

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