News Dachorganisation

Liebe JOBLINGE-Partner und Unterstützer,

die Abschlussprüfungen sind geschafft, die Ausbildung ist erfolgreich beendet, die Übernahme in Festanstellung gesichert. Was kommt jetzt? Für Imane und Sam ganz klar: Selber Mentor werden. Nah dran und mit vielen eigenen Erfahrungen begleiten sie nun die nächsten Joblinge auf dem Weg in die Ausbildung. Sind da und motivieren, wenn ihren Mentees manchmal eher nach hinschmeißen zu Mute ist. Freuen sich gemeinsam über die Einladung zum Vorstellungsgespräch oder das gute Feedback aus dem Praktikum.

Nicht nur die ehemaligen Teilnehmer, die selbst Teil des Netzwerks werden, sondern auch die Entwicklungen und Erfolge jedes einzelnen Joblings haben uns und alle Mitarbeiter an den Standorten und der Dachorganisation in diesem Jahr sehr stolz gemacht. Genauso die vielen Partnerunternehmen, Partner der öffentlichen Hand, Stiftungen, Kulturinstitutionen und engagierten Ehrenamtlichen, die ihr klares „Ja“ auch zu unserem neuen Programm Kompass gegeben haben. Langjährige Mentoren bringen ihre Erfahrungen ein und unterstützen junge Geflüchtete, Betriebe bieten Praxischancen für Teilnehmer beider Programme: JOBLINGE und JOBLINGE Kompass. Vivian, 20, ist schon in ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement und hilft dem 21-jährigen Raafat aus Syrien, sich gut in Praktikum und Arbeitsalltag einzufinden.

In einem weltpolitisch so bewegten Jahr wie 2016 machen die Geschichten von Imane, Sam, Vivian und Rafaat Mut. Mut, den Blick mehr auf all das zu richten, was gemeinsam gelingt und machbar ist. 1.400 Jugendliche, die als nicht vermittelbar galten, haben dies in den letzten Monaten eindrucksvoll gezeigt.

Für den großen persönlichen Einsatz und das Engagement auf so vielfältige Weise möchten wir uns bei Ihnen allen ganz herzlich bedanken. Wir freuen uns sehr, Ihnen in diesem Newsletter aus den Standorten und der Dachorganisation zu berichten, von Neuigkeiten und Jubiläen, von den ersten Kompass-Monaten, von einem Einblick in das JOBLINGE-Technikprogramm und einem Rückblick auf die jährliche Herbsttagung – mit inzwischen über 130 Mitarbeitern. Danke, dass Sie dieses Wachstum möglich machen und wir gemeinsam bereits mehr als 4.500 junge Menschen unterstützen konnten. Über 70 Prozent haben den Schritt in den Beruf geschafft.

Wir sind überzeugt, dass die vielen positiven Beispiele für gelungene Integration – seien es hiesige oder geflüchtete Jugendliche – nie wichtiger waren als derzeit.

Im Namen der gesamten Initiative wünschen wir Ihnen und Ihrer Familie frohe Weihnachten, erholsame Feiertage und alles Gute für das Jahr 2017. Wir freuen uns darauf.

Herzliche Grüße, 
Ihre Ulrike Garanin und Kadim Tas


JOBLINGE Kompass – von unbekannten Ausbildungs- wegen bis zu einem Besuch beim Bundespräsidenten

Fast 330 anerkannte Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland. Doch was heißt Ausbildung überhaupt? Und was bringt sie? Wäre es nicht besser, einfach zu arbeiten und Geld zu verdienen? Viele Fragen, manchmal auch „Überzeugungsarbeit“ und vor allem Orientierungshilfe sind im klassischen JOBLINGE-Programm kaum anders als im neuen Programm JOBLINGE Kompass. Anders in der Arbeit mit der Zielgruppe von Kompass, junge Geflüchtete zwischen 18 und 25 Jahren mit niedriger bis mittlerer Qualifikation, ist die Kompetenzfeststellung und Berufsorientierung – ohne oder mit sehr geringen Sprachkenntnissen. Auch herauszufinden, was hinter dem Beruf und der langjährigen Arbeit als Kaufmann oder KfZ-Mechaniker im Heimatland steckt, abzugleichen und realistisch zu vermitteln, welche Voraussetzungen in Deutschland notwendig sind.

Maher, 22 Jahre aus Syrien, hat genau das bereits geschafft. Als erster Teilnehmer des Programms JOBLINGE Kompass begann er im Oktober 2016 seine Ausbildung. Für weitere Teilnehmer aus Hamburg sind die Ausbildungsverträge zum Februar 2017 unterschrieben, dazu kommen in Hamburg, München, Frankfurt und Leipzig zahlreiche Anstellungen und EQ-Plätze, die im Sommer 2017 in eine Ausbildung übergehen sollen. Im Startjahr von JOBLINGE Kompass (April 2016) haben 250 junge Menschen mit Aufenthaltserlaubnis oder aus Staaten mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit (derzeit Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia) am Kompass-Programm teilgenommen. Im nächsten Jahr folgt die Ausweitung des Programms auch auf die gAG Region Stuttgart, gAG Rheinland, gAG Berlin und gAG Ruhr und somit Kapazitäten für 550 junge Geflüchtete in 2017.


Die Beobachtungen seit dem Start zeigen eine extrem hohe Motivation der Teilnehmer, die auch in ersten Zahlen sichtbar werden: Die Abbruchquote liegt unter zehn Prozent, die Anwesenheitsquote im Programm bei 90 Prozent und die Vermittlung in Praktika bei aktuell 86 Prozent. Das Ziel von JOBLINGE Kompass ist, wie im klassischen Programm auch, die höchstmögliche Qualifikation. Um die Ausbildung in der Praxis, genauso aber auch in der Berufsschule erfolgreich zu meistern, ist bei Kompass eine Phase der Anstellung vorgeschaltet. Integriert in den Betrieb, den Arbeitsalltag und den Kollegenkreis erhalten die Teilnehmer die Chance, ihre Deutschkenntnisse anzuwenden und zu festigen. Parallel dazu erfolgt durch das JOBLINGE-Team die Vorbereitung auf die Berufsschule, mit Nachhilfe und Weiterqualifizierung nach individuellem Bedarf. Auch die Unternehmen werden während der Praktika, Arbeitsphase und im Idealfall anschließender Ausbildungsübernahme eng von JOBLINGE begleitet.


In intensivem Austausch zwischen Dachorganisation und Standorten erfolgt derzeit die Verschriftlichung und Detaillierung des Kompass-Konzepts. Was wirkt, was bringt die Teilnehmer und alle Beteiligten nachhaltig weiter und gehört daher zu den verbindlichen Konzeptelementen? Bereits in den letzten Monaten wurden kontinuierlich Anpassungen und Ergänzungen vorgenommen –basierend auf den Auswertungen der ersten Kompass-Gruppen, Erfahrungen aus der operativen Arbeit, dem sehr unterschiedlichem Sprachniveau der Teilnehmer je nach Standort, Rückmeldungen von Partnerunternehmen sowie politischen Rahmenbedingungen und Gesetzesänderungen. So werden beispielsweise das Sprachkonzept und die Materialien stetig erweitert, um einerseits die unterschiedlichen Level zu adressieren und andererseits die berufsspezifischen Sprachkurse (konzipiert gemeinsam mit Partnerunternehmen) zu komplettieren – von Lager und Logistik über Hotellerie und Altenpflege bis hin zu nun auch IT, KfZ, Maler und Maurer und Bürokommunikation.

Einen schönen Jahresabschluss für Kompass gab es schon Ende November: Das Bundespräsidentenpaar Joachim Gauck und Daniela Schadt hatten zusammen mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zum Weihnachtsmarkt im Schloss Bellevue eingeladen. Neben vielen Besuchern am gemeinsamen Stand von JOBLINGE und Liechtenstein Languages zeigte insbesondere Daniela Schadt großes Interesse am Konzept und unterhielt sich ausführlich mit dem Kompass-Team.


7, 24, 130. Superzahl: 1.400

JOBLINGE ist weiter auf Wachstumskurs. Doch wie schnell sich die Initiative in 2016 entwickelte, hätten auch wir noch vor einem Jahr nicht erwartet. Insbesondere durch JOBLINGE Kompass ergab sich eine nochmal größere Dynamik: Aus den erst zwei Pilotstandorten wurden in kurzer Zeit vier, die das neue Programm umsetzen. Inklusive neuer Teams und neuen Räumlichkeiten. Bei allem Wachstum steht der Blick auf die Qualität immer an erster Stelle – gemeinsam mit allen beteiligten Partnern, Förderern und Unterstützern gelang es, die Vermittlungserfolge für die Teilnehmer sogar noch einmal zu steigern. Das ist das JOBLINGE- Jahr 2016 in Zahlen:

  • 7 neue Standorte: Troisdorf (gAG Rheinland), Ludwigshafen (gAG FrankfurtRheinMain), Berlin-Spandau (gAG Berlin) sowie JOBLINGE-Kompass in München, Hamburg, Frankfurt und Leipzig
  • Insgesamt 23 Standorte deutschlandweit plus Dachorganisation
  • 130 Mitarbeiter, davon 60 neue Mitarbeiter in 2016
  • 1.400 Teilnehmer in 2016, davon 250 im Programm Kompass
  • Seit dem JOBLINGE-Start in 2008 insgesamt 4.800 Teilnehmer
  • Vermittlungsquote in den ersten Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt 72 Prozent (kumuliert über alle Standorte seit Start 2008), 77 Prozent Vermittlungsquote in 2015
  • Nachhaltigkeitsquote nach sechs Monaten in Ausbildung oder Arbeit 80 Prozent
  • Arbeit mit den Jugendlichen, Wachstum und Weiterentwicklung der Initiative ermöglicht über 5,8 Millionen Euro öffentliche Förderung und 2,9 Millionen Euro private Spenden (Forecast)
  • Fokus Organisationsentwicklung: Fünf Onboarding-Tage für die bundesweiten neuen Mitarbeiter in München bei der Dachorganisation, zwölf Trainings für bestehende Mitarbeiter von Qualitätsmanagement über Fundraising bis hin zu Medienarbeit
  • Zwei Auszeichnungen: Hessischer Integrationspreis 2016 für JOBLINGE Kompass und Auszeichnung von JOBLINGE-Vorstand Ulrike Garanin mit „Edition F“-Award (Top 25 Frauen, die unsere Welt besser machen)
  • Highlights der JOBLINGE-Veranstaltungen: Eröffnungsfeier Recklinghausen, Auftakt der ESF-Tour 2016 bei der JOBLINGE gAG Berlin mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, Auftaktfeier von JOBLINGE Kompass in der BMW Welt, Sommerfest der gAG Berlin am Wannsee, Gala der gAG Rheinland, Herbstfest der gAG Hanse, 5-Jahresgala der gAG FrankfurtRheinMain, Gala des Bayerischen Arbeitsministeriums u.a. für die gAG München, Jahresfeier der gAG Ruhr in der Philharmonie Essen
  • Zahlreiche Anfragen als Impulsgeber und Key Note Speaker u.a. Baden-Badener Unternehmergespräche, Munich Economic Forum, Randstad Qualifizierungsforum, Deutscher Ausbildungsleiterkongress, Alliance for YOUth, Türkischer Unternehmerverband, Justizministerium Hessen, Stadt Frankfurt und Amt für multikulturelle Angelegenheiten


Auch die Medienpräsenz und Aufmerksamkeit für die Initiative JOBLINGE und die langjährige Expertise in der Arbeitsmarktintegration ist noch einmal angestiegen. Eine Auswahl der lokalen und überregionalen Berichte, u.a. in Handelsblatt, Welt und FAZ, finden Sie hier.

Herbsttagung 2016 in Berlin

Rückblicke, der Blick in die Zukunft und vor allem: ein Spirit! Das alles bot die JOBLINGE-Herbsttagung 2016. Einmal im Jahr kommen die Mitarbeiter aller Standorte zusammen – und dafür reisten Anfang November rund 130 JOBLINGE-Mitarbeiter nach Berlin. Zwei Tage intensive Workshops, Impulse und Erfahrungsaustausch, übergreifend im Plenum sowie ganz gezielt mit Angeboten für die spezifischen Funktionen. Anregungen von außen und neue Ideen für JOBLINGE gab es dabei u.a. von Dr. Philipp Hoelscher von Phineo, der Fundraising-Koryphäe Andreas Schiemenz, der Wissenschaftsagentur two4science sowie den Innovation Radicals mit dem Ansatz des „Design Thinking“.

Neben Best-Practice-Sharing und ratternden Köpfen durften Kennenlernen, Wiedersehen und Quatschen nicht zu kurz kommen – dafür sorgten die Berliner Kollegen mit einem ganz besonderen Abendprogramm. Auf der Spree ging es durch die winterliche, wunderschöne Hauptstadt.

Für die Ermöglichung der JOBLINGE-Herbsttagung danken wir Siemens für die Mosaikhalle als großartige Location, der UniCredit Foundation und dem ganzen Team der JOBLINGE gAG Berlin für die perfekte Organisation!

Innovative Nachwuchsgewinnung statt Fachkräftemangel: Das JOBLINGE-Technikprogramm

Wie können insbesondere auch Jugendliche mit schwierigeren Startbedingungen Zugang zu technischen Ausbildungsberufen finden? Zu einer Branche, die viele Arbeitsplätze und gute Zukunftsperspektiven bietet – und ihrerseits dringend Fachkräfte sucht.
Mit Blick auf die Themen Fachkräftemangel, Digitalisierung und neue Wege der Nachwuchsgewinnung hat JOBLINGE einen Schwerpunkt auf die Qualifizierung für MINT-Berufe gesetzt.
Der Zielgruppe von JOBLINGE fällt der Sprung in die MINT-Branche oft schwer. Das liegt einerseits an beispielsweise mangelnden Grundkenntnissen (v. a. Mathematik) und fehlenden Kenntnissen über die Berufsfelder, andererseits aber auch am Selbstvertrauen der Jugendlichen, denen die Branche unerreichbar scheint.

Um den nötigen Brückenschlag zwischen potentiellen Auszubildenden und Unternehmen zu schlagen, hat JOBLINGE verschiedene Konzepte zur praktischen und theoretischen Qualifizierung sowie Sensibilisierung der beiden Zielgruppen entwickelt. Ziel ist es, die Jugendlichen für die MINT-Branche zu begeistern und Ihnen somit eine stabile berufliche Perspektive zu ermöglichen.
Ein zentrales Projekt ist das Technikprogramm mit dem Kernstück Lern-App, das JOBLINGE gemeinsam mit der BMW Group angestoßen hat, und über die die Jugendlichen auf spielerische Weise, aber mit einem inhaltlich tiefen Ansatz, Grundwissen in Mathematik erlernen bzw. auffrischen können – also ein Qualifizierungstool zur Vorbereitung auf technische Ausbildungsberufe.

Das zweite Kernprojekt ist JOBLINGE goes MINT, das in Kooperationsprojekt mit der JPMorgan Chase Foundation vorangetrieben wird. In der Kooperation werden gezielt Formate entwickelt, um die Teilnehmer des JOBLINGE-Programms für die Naturwissenschaften zu begeistern und ihnen den Einstieg in den MINT-Bereich zu erleichtern. Im Zuge des Projekts wurde ein Konzept zur Sensibilisierung, Ermutigung und Befähigung für die JOBLINGE-Zielgruppe erstellt. Gleichzeitig sollen gemeinsam mit vom Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen innovative niederschwellige Einstiegsmöglichkeiten für den Nachwuchs geschaffen werden. Auch während der Ausbildung begleiten die JOBLINGE-Mitarbeiter die Jugendlichen und Unternehmen weiter.

Mit dieser Verbindung von praktischem Erfahren und digitalem Lernen möchten wir eine optimale Vorqualifizierung für technische Ausbildungsberufe schaffen und junge Menschen begeistern, die zuvor kaum Zugang zum sogenannten MINT-Bereich hatten.


Mehr Informationen zum Technikprogramm sowie zu JOBLINGE goes MINT finden sie auf unserer Homepage und direkt bei Ihrer Ansprechpartnerin Fiona von Prónay.

Für das Technikprogramm und eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen sind wir kontinuierlich auf der Suche nach Kooperationspartnern aus der Branche.


An allen Standorten und für die Gesamtinitiative freuen wir uns immer über engagierte Partner und Personen, die sich als Mentoren und (Sprach-)Trainer, mit Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, im Bereich Kultur, Sport und Technik sowie als Förderer und Spender einbringen möchten. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Ein besonderer Dank gilt den Premiumpartnern, die auch in 2016 mit ihrer Unterstützung Planbarkeit, Nachhaltigkeit sowie die Weiterentwicklung ermöglicht haben.