Von Hamburg bis München, von Köln bis Leipzig:
Was gibt es Neues bei JOBLINGE?

25 im Januar, 5.000 im Februar – gleich mit zwei Jubiläen startete das Jahr für JOBLINGE. Mitten in Stuttgart, am Wilhelmsplatz, eröffnete der neue Standort des Programms JOBLINGE Kompass und machte die „25 deutschlandweit“ voll. Nur kurze Zeit später gab es einen weiteren Moment zum Innehalten: 5.000 Teilnehmer im JOBLINGE-Programm! Oder genauer: die 5.000 Teilnehmerin, denn hinter dieser ganz besonderen Zahl steckt Jennifer aus Berlin. Am Standort Spandau arbeitet die 24-Jährige zusammen mit dem Team auf ihre Ausbildung hin. In welche Richtung soll es gehen? Das werden Orientierungs- und Praxisphase genauer zeigen.

„Mein Traumberuf ist Tierpflegerin. Leider sind bislang alle meine Bewerbungen erfolglos gewesen. Es ist sehr schwierig, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, weil dieser Beruf sehr beliebt ist. Daher habe ich mich entschieden, es mal als Tischlerin zu probieren. Meistens entscheiden sich nur Männer für diesen Beruf. Daher denke ich, dass ich als Frau eine gute Chance habe, mich von der Masse abzuheben. Alternativ kann ich mir auch vorstellen, in die Altenpflege zu gehen. Zumindest möchte ich innerhalb eines Praktikums in diesen Bereich reinschnuppern.“

Jahresbericht: Das JOBLINGE-Jahr 2016 nochmal live miterleben

Ein Jahresbericht, das klingt nicht nach der allerspannendsten Lektüre. Klar, alle Zahlen, Fakten und Finanzdaten bietet der frisch erschienene Jahres- und Wirkungsbericht 2016 der JOBLINGE natürlich auch. Vor allem aber zeigt er ganz persönliche Geschichten und Einblicke: in die tägliche Arbeit mit den Teilnehmern, in die verschiedensten Engagements von Partnern und Ehrenamtlichen, in besondere Begegnungen. Was etwa passiert beim Mentoring, wenn zwei Menschen, die sich sonst nie kennenlernen würden, miteinander auf einen Ausbildungsplatz hinarbeiten? Wie unterstützt man als ehrenamtlicher Sprachtrainer junge Geflüchtete beim Deutschlernen – und bei der Herausforderung ä, ö und ü auszusprechen? Wie Kompass und das Sprachkonzept, aber auch das gesamte JOBLINGE-Programm und die Phasen funktionieren, finden Sie genauso im Bericht wie das Interview mit den Vorständen Ulrike Garanin und Kadim Tas: Was kommt? Wo geht es hin mit JOBLINGE? Welche Impulse und Anstöße rund um Integration und Arbeitsmarkt setzt die Initiative? Auf den S. 16/17 gibt es noch ein besonderes Highlight: Das JOBLINGE-Jahr 2016 nochmal zum Miterleben – per App und Augmented Reality live dabei. Hier finden Sie den Jahresbericht zum Download.

Stuttgart feiert "JOBLINGE hoch zwei"

JOBLINGE Hoch Zwei – unter diesem Motto feierte das Stuttgarter JOBLINGE Team den Start des Kompass Programms für junge Geflüchtete. Hoch über den Dächern Stuttgarts, in den Räumen der Robert Bosch Stiftung auf dem Gelände rund um die historische Villa, erwartete die rund 200 Gäste ein geballtes Programm – und zur besonderen Begrüßung ein JOBLINGE-blauer Teppich sowie eine fünf Meter hohe, leuchtende Puppe des DUNDU-Ensembles.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung, moderiert von Kabarettist Christoph Sonntag, standen die Teilnehmer beider JOBLINGE-Programme. Die Jugendlichen der „klassischen“ Gruppe brachten die Magie von DUNDU in einer selbst entwickelten Choreographie aus Tanz und Theater auf die Bühne. Die Teilnehmer der ersten Kompass-Gruppe, junge Menschen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Iran, Palästina, Eritrea und Somalia, begeisterten das Publikum mit einem cleveren und humorvollen Theaterstück über ihre ersten Erfahrungen als Flüchtlinge in Deutschland. „Nur eine Chance“, riefen sie am Ende, „wir möchten nur eine Chance für die Integration in Deutschland.“

Das Stuttgarter Team rund um Standortleiterin Janina Germann-Sentner und Vorstand Rolf Kilian bedankte sich bei allen Unterstützern und Ehrenamtlichen. Auch Sozialbürgermeister Werner Wölfle schloss sich an: „Im gemeinsamen Engagement gelingt JOBLINGE die ‚maximale Rendite‘: Für die Zukunft unserer Jugendlichen in Stuttgart. Daher waren wir mehr als begeistert, das Programm nun auch gezielt für junge Geflüchtete anzubieten.“

Im Podiumsgespräch mit Unternehmensvertretern von REWE Group und der Porsche AG sowie Bürgermeister Wölfle fand Firaas, ehemaliger JOBLINGE-Teilnehmer, die perfekten Schlussworte: „Egal ob Flüchtling oder nicht: Alle Jugendlichen sollen die Chance bekommen, ihren Traum zu erfüllen.“ Er selbst hat es geschafft. Seit September 2016 absolviert der junge Syrer eine Ausbildung zum Anlagen- und Maschinenführer bei der Firma Lapp Kabel.

Ein Jahr Kompass - jetzt auch in Köln und (bald) Berlin

Dieselbe Chance, die eigenen Träume zu verwirklichen. Für dieses Ziel tritt seit März auch das Team im Rheinland nun mit dem zweiten Programm Kompass an. Neuer Standort, neue Kollegen, neue Gruppen: am Barbarossaplatz sind die ersten 15 Teilnehmer gestartet, haben den intensiven Basissprachkurs hinter sich und sind nun mitten in der berufsspezifischen Sprachqualifizierung.

Aktivieren, motivieren, ohne Scheu und in der Praxis eine fremde Sprache anwenden – das ist das Konzept von Liechtenstein Languages, auf dem auch die Sprachqualifizierung bei JOBLINGE basiert. Eine Methode, die über unterschiedliche Vorkenntnisse hinweg verbindet und wirkt. Für das Interkulturelle Magazin besuchte der Bayerische Rundfunk den Sprachkurs und die Münchener Joblinge des Kompass-Programms (B5 Aktuell, Interkulturelles Magazin, 02. April, ab Min 11:20)


In Berlin sind die Vorbereitungen für den neuen Kompass-Standort fast abgeschlossen – im Mai geht es in Moabit für das Team mit den ersten Joblingen los. Damit ist JOBLINGE Kompass nun an sieben der acht JOBLINGE gAGs und Regionen aktiv – und auch im Ruhrgebiet läuft die Planung auf Hochtouren.

Währenddessen feierte das Kompass-Programm im April seinen ersten Geburtstag. Nach den Piloten in München und Hamburg kamen in 2016 bereits Frankfurt, Bergstraße und Leipzig hinzu. Inzwischen haben mehr als 300 Teilnehmer vor allem aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia das Kompass-Programm begonnen, mit einer sichtbar hohen Motivation und dem Willen, schnell zu lernen. Etwa 70 % der Teilnehmer konnten bereits in Praktika vermittelt werden, über 30 Teilnehmer aus den ersten Gruppen haben sogar bereits ihre Ausbildung begonnen oder die Einstiegsqualifizierung zur Vorbereitung auf die Ausbildung ab Herbst 2017 aufgenommen. Vielen Dank an all unsere Unternehmen und Ansprechpartner, die jungen Geflüchteten den Einstieg in die Praxis ermöglichen. Um jedem unserer Teilnehmer die Chance auf die höchstmögliche Qualifikation zu bieten, dafür brauchen wir Sie und Ihre Unterstützung: für Praktikumsplätze, Ausbildungen und Anstellungen.

gAG München: Abschied von Anja Reinhard

Unter die vielen Meilensteine der letzten Woche mischt sich leider auch ein Abschied: Anja Reinhard, Regionalleiterin der JOBLINGE gAG München, verlässt nach acht Jahren die JOBLINGE-Initiative. Als eine der ersten Mitarbeiterinnen hat sie die Anfänge von JOBLINGE mitgeprägt, die JOBLINGE gAG München und ein starkes lokales Partnernetzwerk aufgebaut und in enger Zusammenarbeit mit der Dachorganisation in 2016 den ersten Kompass-Standort eröffnet und das neue Konzept in München pilotiert.

Im Namen der gesamten Initiative ein großes Dankeschön an Anja Reinhard. Für die neuen Entscheidungen und Wege
alles erdenklich Gute und wir freuen uns sehr, über JOBLINGE immer verbunden zu bleiben.

Anfang April 2017 hat Ilse Schmücker die Regionalleitung der beiden Münchener JOBLINGE-Standorte übernommen. Von der Elternzeitvertretung in der Dachorganisation und als ehrenamtliche Mentorin eines Kompass-Teilnehmers wechselt sie nun
sozusagen die Seiten. Einen guten Start und wir freuen uns auf die neue Zusammenarbeit.

Gar nicht so leicht: Welche Bewerber bringt die idealen Voraussetzungen für eine Ausbildung mit?

Wie kann man junge Menschen möglichst früh bei der Berufswahl unterstützen? Wie bekommt man einen Überblick über den Ausbildungsmarkt? Und wie können Unternehmen besser entscheiden, welcher Bewerber die idealen Voraussetzungen für eine Ausbildung mitbringt? Genau zu diesen Themen hat die JOBLINGE gAG Berlin zusammen mit der Berliner Sparkasse einen Workshop veranstaltet. „Von der Straße in die Vorstandsetage“ war Teil der Fachtagung DuaLernen, die unter dem Motto „Karriere ohne Studium“ als Weiterbildung für Lehrer aus Berlin angeboten wurde.
„Unternehmen haben zunehmend Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen“, stellt Michael Martens von der Berliner Sparkasse fest. Somit seien sie auch offener für junge Menschen mit weniger geradlinigen Lebensläufen. „Dennoch müssen einige Voraussetzungen stimmen und die Bewerber müssen ins Unternehmen passen.“. Auch Ausbildungsleiter Andreas Heimhöfer von Penny in Berlin, enger Partner der JOBLINGE, bekräftigte, dass die unternehmerisch denkende Initiative insbesondere bei der Vertiefung von Soft-Skills und einer passgenauen Vermittlung ein guter Partner sei. Insgesamt müssten Unternehmen und Azubis noch mehr aufeinander zugehen, lautete das einhellige Fazit des Workshops.

Umso wichtiger ist, dass die Unterstützung durch JOBLINGE nicht mit dem Ausbildungsbeginn endet. Lea Haßkamp über ihre Rolle als Ausbildungsbegleiterin: „Oftmals beobachtet man im ersten Jahr eine rasante Entwicklung bei den Azubis: Sie nehmen ihr Leben zunehmend selbst in die Hand, sind stolz über ihre neue Rolle und meistern die Schule oft viel besser als noch in der Oberschule. Es ist schön, diesen Prozess zu begleiten und die jungen Menschen zu einem selbstbestimmten und sozial abgesicherten Leben zu befähigen. Auch Weiterbildungsmöglichkeiten, Berufsperspektiven und das Erklimmen der Karriereleiter können Themen in meinen Einzelcoachings sein.“

Seminarreihe für Azubis - bestens gerüstet für das erste Lehrjahr

In Frankfurt und auch an den anderen JOBLINGE-Standorten gibt es im Rahmen der Ausbildungsbegleitung auch Seminare speziell für Azubis. Ein Blick auf die „andere Seite“:

Der erfolgreiche Ausbildungsabschluss ist unser gemeinsames Ziel. Laut bundesweiten Statistiken zu Ausbildungsabbrüchen endet die Ausbildung jedoch sehr häufig bereits in der Probezeit. Unser Austausch mit Azubis und Ausbildungsbetrieben zeigt, dass dies vor allem durch mangelnde Kommunikationskultur begründet ist. In der gAG FrankfurtRheinMain wurde daher eine spezielle Seminarreihe für Azubis im 1. Ausbildungsjahr entwickelt, die seit September 2016 nun jedes Jahr angeboten wird. Mit verschiedenen Seminarbausteinen werden auf übliche und oft „üble“ Stolperfallen hingewiesen und die Teilnehmer für den „richtigen Umgang“ am Arbeitsplatz gestärkt. Die Bausteine enthalten Themen wie eine Einführung in Methoden der Kommunikation, der Umgang mit Konflikten, die Möglichkeiten der Feedbackkultur, Strategien der Motivation und des Lernens sowie Zeitmanagement für Azubis.
Die Reihe beginnt direkt im ersten Ausbildungsmonat, findet alle 6-8 Wochen statt und endet entsprechend mit dem ersten Ausbildungsjahr. Die Teilnahme ist hoch, das Interesse ist rege, das Engagement und Feedback ist groß. Die Ausbilder geben ebenfalls positive Rückmeldungen und sprechen von guten Entwicklungen; die Azubis sind erleichtert, dass sie Situationen und Beispiele aus ihrem Alltag austauschen und diskutieren können und einen Platz für praktische Tipps haben.

Und sonst?

Wie lernt man am besten so schwierige Wörter wie Defibrillator? Natürlich direkt vor Ort, und direkt bei den Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz. NDR-Reporterin Susanne Röhse hat den 24-jährigen Kompass Teilnehmer Samim aus Hamburg bei seiner Ausbildung zum Rettungssanitäter besucht. Wie er zu diesem Beruf kam und wie es ihm gefällt, hören Sie hier

Rein ins selbstbestimmte Leben - Ein Film der Troisdorfer Joblinge

„Ich habe vor JOBLINGE nur so in den Tag hinein gelebt“, erzählt Daniel, Jobling am Standort Troisdorf. „Ich bin froh, hier zu sein.“ Warum? Das erzählen Daniel und weitere Teilnehmer im Abschlussfilm ihres Projekts "Rein ins selbstbestimmte Leben!“. Wie sieht die Lebenswelt der Jugendlichen aus? Welche Perspektiven haben sie für sich durch JOBLINGE gefunden? Und wie? Die Antworten auf diese Fragen sowie mehr zur Reise ins selbstbestimmte Leben gibt es im Video.

Theaterprojekt, Berufsorientierung und tägliches Sprach- und Grammatiktraining: Bei den Leipziger JOBLINGE Kompass-Teilnehmern ist viel los. Drei Monate nach Programmstart kommt hier eine Zwischenbilanz in Bildern...

"Von Nagel zu Nagel" - Ein Projekt im Hamburger Bahnhof

„Schlüpfe in dein Leben“. Unter diesem Motto haben die Berliner Teilnehmer Portraits der besonderen Art hergestellt. Nach ausführlicher Beobachtung und einigen Interviews sind die Joblinge in die Rollen verschiedener Mitarbeiter des Museums Hamburger Bahnhof in Berlin geschlüpft. Da Berufe wie Depotverwaltung, Restauratorin und Kunsthändler nicht zu den häufigsten Wahlen der Ausbildungssuchenden gehören, war dieses Projekt besonders spannend und lehrreich. In selbstgedrehten Kurzfilmen wurden die Aufgaben und persönlichen Einstellungen der Mitarbeiter schließlich vorgestellt. Sehen Sie selbst.

Wie hilft Singen bei der Ausbildungssuche weiter? Diese Frage haben sich sicher auch die Essener Joblinge gestellt, als es hieß, „ihr performt Hits wie I need a Dollar oder I got a feeling.“ Eine Woche lang setzten sich die Jugendlichen in einem Projekt mit Songtext und Rhythmus auseinander, und entwickelten dabei eine eigene Version der Lieder. Das Ergebnis wurde am Ende vor den versammelten Mentoren präsentiert, die vom musikalischen Talent ihrer Mentees begeistert waren. Singen und Ausbildungssuche passen also zusammen. Denn sich Neuem zu öffnen und auch mal aus der Komfortzone zu treten, ist auch später im Berufsleben von Vorteil.

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