„Von der Straße in die Vorstandsetage“

Wie die JOBLINGE der gAG Berlin junge Menschen in Ihren Zielen und Ausbildungsperspektiven individuell begleitet.

„Mir fällt es schwer, meine SchülerInnen zu einem so frühen Zeitpunkt zu einer beruflichen Entscheidung zu raten“, sagt eine Lehrerin aus Berlin. „Meist haben die Eltern selbst zu wenig Erfahrung, um ihre Kinder über den Ausbildungsmarkt zu informieren“, ergänzt ein Mann. „Wie weiß ich, dass ein junger Mensch ohne die idealen Voraussetzungen die Ausbildung in unserem Unternehmen schaffen kann“, fragt ein anderer. Sie sind alle Teilnehmende eines Workshops mit dem Titel „Von der Straße in die Vorstandetage“ der JOBLINGE gAG Berlin und der Berliner Sparkasse. Ort: die Fachtag DuaLernen. Ziel: Antworten darauf zu finden, wie man SchulabgängerInnen in Ihrer Berufswahl und Ausbildungssuche am besten beraten kann und welche Angebote es für ambitionierte junge Menschen mit schwierigen Startbedingungen gibt. 

 „Unser Ansatz ist das sechsmonatige JOBLINGE-Programm. Wir haben unterschiedliche Phasen in den sechs Monaten. Nach der Aufnahme geht es in der Orientierungsphase darum, die Jugendlichen zu aktivieren und zu motivieren – und das so praktisch wie möglich“, erklärt Eva-Maria Holzgreve, Unternehmenskoordinatorin bei JOBLINGE. Dazu gehören Unternehmenspräsentationen, ein Kultur- und Sportprogramm ebenso wie die Berufsorientierung. „Wir kooperieren sehr eng mit vielen Berliner Unternehmen. Das Netzwerk ist unheimlich wichtig, um den Jugendlichen direkt verschiedene Berufsbilder aufzuzeigen, aber auch um Praktika- und Ausbildungsplätze zu vermitteln“, so Holzgreve.

Die Unterstützung durch JOBLINGE ende zudem nicht nach dem Ausbildungsstart, was unheimlich wichtig sei. „Wir wollen die Jugendlichen nicht nur vermitteln, sondern ihnen auch beim erfolgreichen Abschluss der Ausbildung helfen“, sagt Lea Haßkamp, Ausbildungsbegleiterin bei JOBLINGE, die die ehemaligen Teilnehmenden und ihre Ausbilder auch nach Abschluss des Programms unterstützt. „Bei einer Teilnehmerin beispielsweise war es echt schwer, eine Arztpraxis zu finden, die offen war für Auszubildende mit Kopftuch. Danach brauchte sie Unterstützung in der Schule. Nach nur wenigen Treffen fiel ihr der Stoff viel leichter und sie traute sich zu, ihren Ausbilder um Unterstützung bei dem Führen des Berichtsheft zu bitten“, so Haßkamp. Bei Michael, einem anderen Teilnehmer, habe sie erstmal die Erwartungen runterschrauben müssen. Am liebsten hätte er direkt in einem 5-Sterne Hotel angefangen. Mit der Zeit habe er sich an die Arbeit in einem 3-Sterne Hotel gewöhnt, in dem er viele spannende Aufgaben habe, so Haßkamp.

„Oftmals beobachtet man im ersten Jahr eine rasante Entwicklung bei den Azubis: Sie nehmen ihr Leben zunehmend selbst in die Hand, sind stolz über ihre neue Rolle und meistern die Schule oft viel besser als noch in der Oberschule. Es ist schön, diesen Prozess zu begleiten und die jungen Menschen zu einem selbstbestimmten und sozial abgesicherten Leben zu befähigen. Auch Weiterbildungsmöglichkeiten, Berufsperspektiven und das Erklimmen der Karriereleiter können Themen in meinen Einzelcoachings sein“, sagt Lea Haßkamp.

„Unternehmen haben zunehmend Probleme, Ihre Ausbildungsplätze zu besetzen“, stellt Michael Martens von der Berliner Sparkasse fest. Somit seien sie auch offener für junge Menschen mit weniger geradlinigen Lebensläufen. „Dennoch müssen einige Voraussetzungen stimmen und die Bewerber müssen ins Unternehmen passen “, so Martens. Der Ausbildungsleiter für Penny Berlin, Herr Heimhöfer, ein enger Kooperationspartner der Joblinge, bekräftigte, dass die unternehmerisch denkende Initiative insbesonders bei der Vertiefung von Soft-Skills und einer passgenauen Vermittlung ein guter Partner sei. Unternehmen und Azubis müssen noch mehr aufeinander zugehen, lautete das einhellige Fazit des Workshops.

Der Workshop „Von der Straße in die Vorstandsetage“ der JOBLINGE gAG Berlin und der Berliner Sparkasse war Teil des Fachtags DuaLernen am 28. November 2016, veranstaltet von der Berliner Sparkasse und dem Institut für Talententwicklung. Der Fachtag stand in diesem Jahr unter dem Motto „Karriere ohne Studium“ und galt als Weiterbildung für LehrerInnen aus Berlin.