Mut machen als Mentor: Andreas Vagt zeigt, welche Quantensprünge möglich sind

Job, Familie mit drei Kindern - und Mentor mit Herzblut an den JOBLINGE Standorten in Hamburg. Andreas Vagt ist einer von mehr als 1700 Mentoren bundesweit. Seit 2015 hat er mehreren Joblingen den Rücken gestärkt – im klassischen Programm und auch bei Kompass. Wie er den Sprung zum Mentor gemacht hat, welche Unterschiede er zwischen beiden Programmen festgestellt hat und was er neuen Mentoren oder Interessierten empfiehlt, erzählt er im Interview.

Sie begleiten die Hamburger Joblinge fast von Anfang an. Wie sind Sie auf JOBLINGE aufmerksam geworden? Mein damaliger Arbeitgeber BP war schon früh eines der Partnerunternehmen für das JOBLINGE-Programm. Als ich in unserem Intranet eine entsprechende Meldung darüber sah, dachte ich: Das ist tolle Möglichkeit für mich, ehrenamtlich etwas zu tun. Und mit langer Berufserfahrung, zudem als Vater von drei inzwischen erwachsenen Kindern dachte ich, da bringe ich einiges mit. Also habe ich angerufen und hatte schnell einen Gesprächstermin.

Seit 2015 haben Sie fünf Mentees aus dem klassischen Programm betreut. Als die gAG Hanse mit dem Kompass-Programm im Mai 2016 startete, waren Sie einer der ersten, der sich sofort als Mentor anbot. Was reizte Sie an der Herausforderung?
Die Zeit Anfang 2016 war geprägt von den Ereignissen des Herbstes 2015, wo Hunderttausende Geflüchtete zu uns kamen, und der ersten Ernüchterung, dass alles eben doch nicht so leicht sein wird. In dieser Zeit haben sich viele Gedanken gemacht, ob sie etwas tun wollen, und wenn ja, was. Nach meinen Erfahrungen im Klassik-Programm war für mich schnell klar, dass ich hier eine Menge bewegen kann – vielleicht mehr als ich in einer Kleiderkammer hätte bewegen können. Hinzu kommt, dass ich mit meiner Frau und meinen drei Kindern fast sechs Jahre im Ausland gelebt habe – wenngleich unter völlig anderen Umständen – und somit das Gefühl ein wenig kenne, "fremd" zu sein.

Wo liegen die Gemeinsamkeiten bei den Mentees aus beiden Programmen?
Vertrauen schaffen. Ohne Vertrauen zwischen Mentee und Mentor geht weder im Klassik- noch im Kompass-Programm etwas. Und Respekt – ebenfalls in beide Richtungen, Respekt vor unterschiedlichen Biografien und Meinungen, vor Erfahrung, und vor einer gemeinsamen Aufgabe. Über allem liegt der Wille des Mentees, sein Leben in seine eigenen Hände zu nehmen, sonst wären sie nicht in das Programm gekommen.

Welche Unterschiede stellen Sie fest?
Die Biografien der Mentees sind überhaupt nicht zu vergleichen. Die einen, aus dem klassischen Programm, sind da, weil sie aus den unterschiedlichsten Gründen, die sie teilweise selbst zu verantworten haben, oder weil sie eben Pech oder ungünstige Rahmenbedingungen hatten im Leben, bisher nicht in Ausbildung gekommen sind.

Die anderen, im Kompass-Programm, sind primär aus ganz anderen Gründen hier: Sie sind geflüchtet vor Krieg, Vertreibung und Unterdrückung. Sie kommen mit völlig unvorhersehbaren und manchmal überraschenden Biografien zu uns, haben in der Regel in den vergangenen Monaten oder Jahren ihr Leben selbst in die Hand genommen, und stehen nun, ausgestattet mit hoher Motivation, aber geringen Sprachkenntnissen und oftmals auch Mathematik-Kenntnissen, vor uns. Somit sind die Schwerpunkte manchmal eher Deutsch- und Mathematik-Unterstützung, während ein differenziertes Gespräch über ihre Neigungen und Ziele oftmals wirklich sehr schwierig ist.

Was würden Sie neuen Mentoren und Interessierten empfehlen?
Wer als Mentor zu JOBLINGE kommt, muss in der Lage sein, zu geben, aber auch bereit sein, zu "bekommen". Wer nicht nur etwas abgeben will von Lebens- und Berufserfahrung, die er mitbringt, sondern auch etwas zurückbekommen möchte, wie das Erfahren von Menschen in Lebenslagen, die er normalerweise nicht erlebt, und wer vielleicht auch etwas über sich selbst lernen will, der kann hier eine tolle Bereicherung für sein Leben und seine eigene Entwicklung finden. Dabei sind echtes Interesse und Empathie die wichtigsten Voraussetzungen.