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„Ausbildung ist das Rückgrat der Gesellschaft“

26.10.2021 | gAG Region Stuttgart

Unser Stuttgarter Partnerunternehmen U.I. Lapp GmbH unterstützt JOBLINGE in vielerlei Hinsicht, unter anderem übernimmt es regelmäßig Teilnehmende als Azubis. Insgesamt bildet das Unternehmen derzeit 75 junge Frauen und Männer aus und hat sich im letzten Jahr während der Coronakrise bewusst dazu entschieden, die Zahl der Azubis aufzustocken. Im Rahmen unserer Kampagne #ausbildungberührt haben wir mit CEO Matthias Lapp – unter anderem über die Relevanz von Ausbildung – gesprochen.

JOBLINGE: Herr Lapp, warum ist es in der Krise weiterhin wichtig, Azubis einzustellen?
Matthias Lapp: Gerade in Krisen geht es um nachhaltige Entscheidungen: Wenn ich heute nicht einstelle, habe ich in vier Jahren keine Azubis, die mit ihrer Ausbildung fertig sind. Also könnten wir Arbeitsstellen nicht besetzen und hätten weniger Leistung, als wir eigentlich wollen. Dessen bin ich mir sehr bewusst. Deswegen haben wir bei Lapp gesagt: Wir machen genau das Gegenteil und stellen sogar mehr Azubis ein!

Ausbildung berührt uns alle: Das haben wir einmal mehr während der Coronakrise gemerkt, als Berufsgruppen mit Ausbildung die Gesellschaft am Laufen gehalten haben. Welchen Wert nehmen Ausbildungsberufe bei uns in der Gesellschaft ein?
Ausbildung ist eine der Kernsäulen für die Wirtschaft in Deutschland, weil wir mit der dualen Berufsausbildung ein besonderes und gut funktionierendes System haben. Das ist das Rückgrat der Gesellschaft: Menschen so auszubilden, dass sie – auch im einfacheren Handwerk – eine solide Wissensbasis besitzen und darauf aufbauen können. Der Meisterabschluss ist für mich übrigens genauso viel wert wie ein Master. Der fertige Lehrling, der seinen Gesellenbrief schreibt, ist nichts anderes als ein Bachelor, nur in einem anderen Berufsfeld.

Was ist der Benefit von Ausbildung für Unternehmen?
Für Unternehmen ist es vorteilhaft, von Anfang an jemanden dabei zu haben, der schon mitgearbeitet hat, das Unternehmen kennt und in dem Moment, da er fertig ausgebildet ist, sofort anfangen kann, zu arbeiten und keine Einarbeitungsphase mehr braucht. Und natürlich hat man durch Ausbildung die Chance, an Fachkräfte zu kommen, die man sonst nicht erreicht. Wir bei Lapp können uns über die erfolgreiche Rekrutierung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht beklagen.  Schaut man aber in Gegenden, die nicht so eng besiedelt sind, ist Ausbildung eine Möglichkeit, junge, mobile Menschen zu erreichen, die bei einem anfangen und dann auch bleiben.

Sie übernehmen bei Lapp auch Azubis aus dem JOBLINGE-Programm. Was ist Ihr Beweggrund dahinter?
In erster Linie das Selbstverständnis, dass man seinen Teil dazu beiträgt, die Gesellschaft zu unterstützen. Als Unternehmen, als Unternehmer, als Mensch. Und gerade auch die Schwächeren, die es nicht so leicht haben. Auf der anderen Seite ist ein Beweggrund, dem System gerecht zu werden. Und: Wir haben so viele positive Erfolge durch die Leute geschaffen und sehen so viele schöne Aha-Momente, in denen man merkt: Die jungen Menschen haben den Rappel bekommen, schaffen die Prüfungen und wollen immer besser werden. Das ist ein positives Gefühl für sich selbst – und im ganzen Unternehmen.
Außerdem stammen die JOBLINGE-Jugendlichen häufig aus verschiedenen sozialen Umfeldern. Sie bringen unterschiedliche Lebensphilosophien und Lebensweisen mit. In den Diskussionen unter den Kolleginnen und Kollegen ist es bereichernd, sich dahingehend auszutauschen. Das finde ich immer das Spannende: Dass man in der Diskussion – egal wo jemand herkommt, was jemand denkt oder glaubt – viel von dem Menschen mitnehmen kann. Das muss man nicht immer gut finden, aber man kann es sich anhören und hat dann wieder einen anderen Bezugspunkt für sich, seine Basis und sein Wertesystem.

Wie haben sich Corona und Lockdown auf die Azubis ausgewirkt?
Für die, die letztes Jahr neu gestartet sind, war es schwierig. Da kam direkt über Weihnachten der Riesen-Lockdown mit Homeoffice-Pflicht, wo immer dies umsetzbar war. Für jemanden, der neu im Unternehmen ist, vor allem für Azubis, ist das anstrengend. Denn sie leben bei uns auch vom Netzwerk untereinander, das sie knüpfen.

Haben sie auch positive Auswirkungen wahrgenommen?
Ja klar. Die Jugend, die heute anfängt, kennt sich besser im Netz aus als alle anderen. Den ganzen Digitalisierungsstandard nimmt die junge Generation ganz anders wahr. Unsereins wird versuchen, zum alten System zurückzukommen. Für die Jüngeren ist es etwas Selbstverständliches, weil sie privat schon in einer digitalen Welt leben und die erste Zeit im Berufsleben so erlebt haben. In ein paar Jahren werden nachfolgende Generationen an Azubis viel vernetzter arbeiten, aus einem Selbstverständnis heraus.

Mehr zur Kampagne #ausbildungberührt finden Sie hier.